Meine Arbeit verbindet fachliche Methoden mit einer klaren therapeutischen Haltung. Wie genau ich arbeite, entwickelt sich im gemeinsamen Prozess – individuell abgestimmt auf dein Anliegen und deine Situation.
Körper und Erleben im Zusammenspiel
Sexocorporel ist ein körperorientiertes Modell der Sexualtherapie, das in den 1970er Jahren von Prof. Jean-Yves Desjardins an der Université du Québec à Montréal in Kanada entwickelt wurde. Der Name bedeutet wörtlich «sexuell-körperlich» und bringt den zentralen Gedanken auf den Punkt: Körper und Erleben sind in der Sexualität untrennbar miteinander verbunden. Wie wir Sexualität erleben, wird davon beeinflusst, wie wir atmen, uns bewegen, denken und fühlen.
Der Grundsatz des Modells lautet: Sexualität wird erlernt. Das klingt zunächst ungewohnt, ist aber eine ermutigende Aussage. Denn was gelernt wurde, kann auch verändert werden. Sexuelle Muster und Gewohnheiten sind nicht ein für alle Mal festgelegt, sondern lassen sich ein Leben lang weiterentwickeln.
Sexocorporel ist ein ressourcenorientiertes, lebensbejahendes Modell. Es geht nicht darum, etwas zu reparieren, sondern darum, die eigene Sexualität besser kennenzulernen und zu entfalten. Die Arbeit geschieht über gezielte Körperübungen, die in der Privatsphäre zuhause ausprobiert werden. In den Sitzungen selbst findet keine Körperberührung statt.
In der gemeinsamen Arbeit schauen wir, welche Muster sich im sexuellen Erleben etabliert haben und wie neue, stimmigere Erfahrungen möglich werden. Die Sitzungen finden angezogen statt und verbinden Gespräch mit angeleiteten Körperübungen.
Bindung verstehen. Beziehung stärken.
Hinter vielen Paar-Konflikten steht eine tiefere Frage: Bist du für mich da? Kann ich mich auf dich verlassen? Die Emotionsfokussierte Therapie nach Sue Johnson basiert auf der Bindungstheorie und geht davon aus, dass Streit und Rückzug oft Ausdruck von verletzter Bindung sind — nicht von Bösartigkeit oder Gleichgültigkeit.
Oft ist es nicht der konkrete Inhalt eines Streits, der belastet, sondern das Gefühl, nicht gehört, nicht gesehen oder nicht geliebt zu werden. Deshalb können sich Konflikte manchmal um scheinbare Kleinigkeiten drehen — und trotzdem so viel aufwühlen. EFT richtet den Blick auf das, was darunterliegt: emotionale Verletzungen, Bindungsbedürfnisse und die Sehnsucht nach Sicherheit.
Im gemeinsamen Prozess werden diese Muster sichtbar und schrittweise veränderbar. So entsteht Raum, einander neu zu begegnen und eine Beziehung aufzubauen, in der sich beide sicher, angenommen und verbunden fühlen.
EFT ist wissenschaftlich gut belegt und eines der wirksamsten Verfahren in der Paartherapie. Ich habe das EFT Externship (ICEEFT-anerkannt) absolviert.
Beziehungsdynamiken im grösseren Kontext
Systemisches Denken richtet den Blick auf Herkunftsfamilie, prägende Erfahrungen, gesellschaftliche Erwartungen, Rollenbilder und die Wechselwirkungen, in denen Menschen leben.
In der Praxis heisst das, dass ich nicht nur auf ein Problem oder einen Konflikt schaue, sondern auch auf die Muster und Zusammenhänge dahinter. Welche Funktion hat ein Verhalten? Was hält eine Dynamik aufrecht? Welche guten Gründe gibt es, beim Status quo zu bleiben? Solche Fragen eröffnen oft neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten.
Die systemische Perspektive ist für mich kein separates Therapieangebot, sondern Teil meiner Haltung. Sie fliesst in meine gesamte Arbeit ein, in Einzelsitzungen ebenso wie in der Paartherapie. Dieser Blick gehört für mich zur Grundlage meiner Arbeit.
Fachlich fundiert und wertschätzend begleitet
BDSM, Kink, Fetische und nicht-normative Sexualität sind in meiner Praxis ein Bereich, in dem ich mich gezielt weitergebildet habe. Diese Formen von Sexualität gehören für mich selbstverständlich zur menschlichen Vielfalt.
Ich arbeite ohne Pathologisierung oder vorschnelle Bewertungen. Gleichzeitig bringe ich fachliches Wissen über Dynamiken, Kommunikation und mögliche Risiken mit, die in diesen Kontexten eine Rolle spielen können. Dabei setze ich auch Methoden ein, die speziell für die therapeutische Arbeit in diesem Bereich entwickelt wurden.
In der Therapie setzen wir direkt an Ihrem Anliegen an. Ob es um Scham im Zusammenhang mit eigenen Neigungen geht, um Gespräche mit der Beziehungsperson oder um Fragen zu Grenzen, Rollen und Konsens.
Meine Weiterbildungen in diesem Bereich umfassen unter anderem eine Einführung und Vertiefung in BDSM sowie eine mehrteilige Reihe zu spezifischen Themen wie Fetisch, Machtgefälle und Beziehungsdynamiken in alternativen Settings.
Für dich, so wie du bist
Trans*, nicht-binäre und queere Menschen finden in meiner Praxis einen Raum, in dem ihre Identität nicht infrage gestellt wird. Sie muss kein Thema sein, ausser sie möchten, dass sie eines ist.
In der therapeutischen Arbeit kann es um ganz unterschiedliche Themen gehen: um Fragen rund um Identität, Beziehung und Sexualität, um Unsicherheiten oder Belastungen im Alltag, oder um Anliegen, die gar nichts mit Geschlecht oder Queerness zu tun haben.
Ich arbeite sensibel für Erfahrungen von Normdruck, Diskriminierung und Minderheitenstress. Dabei bleibt der Blick immer auf das gerichtet, was für dich im Moment relevant ist.
Ich habe die Weiterbildung «Offene, polyamore und queere Beziehungen» (Dr. Ursina Donatsch, IÖST Zürich) absolviert und an der Fachtagung «Neurodivergenz und Geschlechtsidentität im Kindes- und Jugendalter» (visoparents, 2026) teilgenommen. Den Kurs «Affirmative Begleitung von trans und non-binären Menschen – für Fachpersonen» (Geschlechter-Radar) besuche ich Ende Juni 2026.
Behutsam, im eigenen Tempo
Belastende Erfahrungen hinterlassen Spuren im Körper, in Beziehungen und in der Sexualität. In meiner Arbeit geht es nicht darum, etwas aufzudecken oder zu durchdringen, sondern darum, einen Umgang zu finden, der sich stimmig und sicher anfühlt. Du bestimmst, was Thema ist, wie weit wir gehen und wo Grenzen sind.
Nicht alles muss benannt oder aufgearbeitet werden, damit sich etwas verändern kann. Wir können auch an dem ansetzen, was im Moment da ist. Im Erleben, im Körper, im Kontakt. Ich achte darauf, dass der Prozess nachvollziehbar bleibt und nicht überfordernd wird. Pausen, Tempo und Orientierung sind Teil der gemeinsamen Arbeit.
Meine Weiterbildung «Spuren der Gewalt — Sexuelle Traumafolgen» bildet eine fachliche Grundlage für diesen Bereich. Ich habe selbst Erfahrung mit Traumatherapie als Klientin gemacht. Das prägt, wie ich in diesem Bereich arbeite.
Hinweis: Ich bin keine Traumatherapeutin im klinischen Sinne. Bei schweren Traumafolgestörungen empfehle ich spezialisierte traumatherapeutische Angebote wie Somatic Experiencing, EMDR oder PITT (Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie). Diese können gut ergänzend zu einer Sexual- oder Beziehungstherapie bei mir stattfinden.
Sexualität ist ein Recht. Für alle.
Sexualität gehört zum Leben, auch dann, wenn Körper oder Kognition anders funktionieren oder Unterstützung brauchen. Dennoch fehlt dafür oft der Raum. In Therapie, Begleitung und im Alltag wird das Thema häufig nicht angesprochen. Erfahrungen von Fremdbestimmung, Unsicherheit oder fehlender Sprache für die eigenen Bedürfnisse können zusätzlich eine Rolle spielen.
In meiner Praxis arbeiten wir entlang deines Anliegens, in deinem Tempo und ohne Bewertung. Es geht darum, ein eigenes Verständnis für das sexuelle Erleben zu entwickeln und neue, stimmigere Zugänge zu ermöglichen.
Es kann um das eigene sexuelle Erleben gehen, um den Zugang zum Körper, um Scham oder Unsicherheit, und darum, wie unter den eigenen Voraussetzungen Intimität möglich wird, sofern gewünscht. Dabei beziehen wir sowohl körperliche als auch emotionale und gedankliche Aspekte mit ein.
Ich habe die neunteilige Fachserie «Amourös — Sexualität und Beziehung bei Menschen mit Behinderung» (Procap Bern) absolviert.
Wenn Wahrnehmung, Reize und Nähe anders funktionieren
Neurodivergenz — darunter ADHS, ASS und Hochbegabung — beeinflusst, wie Menschen Sexualität, Nähe und Beziehungen erleben. Sensorische Empfindlichkeiten können beeinflussen, welche Berührungen sich gut anfühlen und welche nicht. Reizüberflutung wirkt sich darauf aus, wie viel Nähe in einem Moment möglich ist. Und wer Bedürfnisse schwer in Worte fassen kann, kennt vielleicht das Gefühl, dass etwas unausgesprochen bleibt.
In der Einzelarbeit kann es darum gehen, das eigene Erleben besser zu verstehen. Warum sind Berührungen manchmal zu viel? Warum fällt es beim Sex schwer, präsent zu bleiben? Wie lässt sich Nähe so gestalten, dass sie sich stimmig anfühlt? Manchmal geht es auch darum, vergangene Erfahrungen neu einzuordnen.
In Paarbeziehungen, ob eine oder beide Personen neurodivergent sind, entstehen oft Missverständnisse. Unterschiedliche Bedürfnisse und Wahrnehmungen können sich mit der Zeit wie Distanz oder Entfremdung anfühlen, ohne dass jemand daran schuld ist. In der gemeinsamen Arbeit geht es darum, gegenseitiges Verständnis zu fördern und einen Umgang zu finden, der für beide stimmig ist.
Die Arbeit ist ressourcenorientiert. Ich setze bei dem an, was dich oder euch gerade beschäftigt.
Im Erstgespräch erkläre ich gerne, welche Methoden für dein Anliegen sinnvoll wären und was dich konkret erwartet.